Chronik 1863 bis 1924

Chronik des Männergesangvereins "Concordia".......

........in Worpswede von seiner Gründung - 1. Juli 1863 - an bis Anfang 1924.

(Zahlen in Klammern geben die Seitennummern des handschriftlichen Originals an)

Aufgezeichnet von dem früheren Vorsitzenden und Schriftführer O. D. Schröder in Weyerdeelen sowohl nach den Tagebüchern des Vereins wie aus eigener Wissenschaft, da dieser bereits am 19. Oktober 1867 als Mitglied aufgenommen.

Nachdem schon während einiger Jahre verschiedene Herren aus Worpswede und Umgegend die Gesangeskunst gepflegt, jedoch durch ein festes Band noch nicht verbunden waren, mithin weder diesbezügliche Rechte zu beanspruchen, noch Pflichten zu erfüllen hatten, sahen die Beteiligten sich veranlasst, wenn überhaupt etwas, die Gesangsübungen für die Zukunft Sicherndes geschafft werden sollte, sich zur Bildung eines, durch Statuten fest zu gründenden Männergesangvereins zu vereinen.
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Das Gründungsprotokoll

Anfang und Ende des denkwürdigen Dokuments der Vereinsgründung.

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Die noch immer zu wöchentlichen Übungen.......

.........zusammenkommenden Herrn gründeten nun am 1. Juli 1863 den Männergesangverein "Concordia" und entwarfen die Statuten, die von der damaligen Königlich Hannoverschen Landdrostei zu Stade am 17. Juli 1863 genehmigt wurden.

Hiermit war die Bildung des Vereins, als zu Recht bestehend, gewährleistet und hätte man nun zur Wahl des Vorstandes schreiten können. Da jedoch Herr Kaufmann Stolte in uneigennütziger Weise nicht nur die Leitung der Übungen in Händen gehabt, vielmehr auch mit allen Kräften an das Zustandekommen des Vereins gearbeitet, wurden wegen der noch geringen Mitgliederzahl alle Vorstandsgeschäfte vorläufig Herrn Stolte allein übertragen.
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Damit der neue Verein nicht isoliert dastehe,.....

......trat er mit den Männergesangvereinen von Lilienthal und Scharmbeck in Verbindung und feierten diese bereits am 9. August 1863 auf dem Findorffberge in Worpswede ein vom schönsten Sommerwetter begünstigtes und recht zahlreich besuchtes Verbrüderungsfest. Da dieses Fest in schönster Harmonie und Gemütlichkeit verlief, es den beiden auswärtigen Vereinen es hier so schön gefallen, so wurde auf deren Wunsch beschlossen, im nächsten Jahre hier wieder ein gleiches Fest zu feiern, dessen Anordnung und Leitung dem hiesigen Gesangverein übertragen wurde.
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Nachdem im Januar 1864...................

......die Mitgliedschaft bereits auf 23 gestiegen, wegen des bevorstehenden Festes die gesangliche und geschäftliche Leitung einschließlich Kassenführung Herrn Stolte allein zu beschwerlich wurde, so wurde ein Vorstand gewählt, bestehend außer dem Dirigenten Herrn Stolte und den Herren Lehrer Keese, Kaufmann J. C. Schröder und L. Olivet jun. Auch wurde die Führung eines Vereinstagebuches beschlossen.

Ferner wurde in de Generalversammlung am 20. Januar 1864 die Anschaffung einer Vereinsfahne in blauer und weißer Farbe beschlossen. Diese beiden Farben wurden als Vereinsfarben bestimmt. Die äußere Ausführung der Fahne wurde in der Generalversammlung vom 3. Februar 1864 beraten. Mehrere hiesige Damen erboten sich freiwillig, auf eigne Kosten die Handarbeiten an der Fahne zu übernehmen. Dieses Anerbieten wurde vom Verein mit Dank angenommen. Die Fahne wurde dann am 26. April 1864 in Empfang genommen, worauf Gesangsvorträge mit nachfolgendem Balle die Feier beendeten.
Einer Einladung des Männergesangvereins Grasberg zu seiner am 12. Juni 1864 angesetzten Fahnenweihe wurde Folge geleistet.

Dann folgte am 21. August 1864 das bereits im Vorjahre hier abzuhalten beschlossene Sängerfest, an dem sich die 4 Vereine von Grasberg, Lilienthal, Scharmbeck und Worpswede beteiligten. Der Festplatz war von 550 bis 600 Personen besucht.
Der Gesangverein Falkenberg-Heidberg wurde in den Bund aufgenommen.
In den folgenden Jahren wurde gewöhnlich jährlich ein Sängerball abgehalten, außerdem auch noch sogenannte Sänger-Kränzchen, bestehend in Gesangsvorträgen und dramatischen Aufführungen.
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Vom Jahre 1866 an wurde.................

......am ersten Pfingstmorgen auf dem Findorffberge gesungen und aus der Kasse bezahlter Kaffee getrunken nebst einem Imbiß von Kuchen. Meistens wurden die Gesangsübungen im Sommer während mehrerer Monate eingestellt; es wurde zwar einige Male der Versuch gemacht, diese regelmäßigen Übungen auch im Sommer fortzusetzen, da jedoch die Mitglieder so spärlich erschienen, so blieb jeder diesbezügliche Versuch ohne Erfolg.

Stets war der verein bestrebt, mit Gesangvereinen aus nah und fern freundschaftlichen Verkehr zu unterhalten und nach Möglichkeit an deren Festlichkeiten teilzunehmen. Wegen der in der Umgebung so zahlreichen Sängerfeste war es jedoch nicht möglich, allen an den Verein ergangenen Einladungen Folge zu leisten.
Ebenso wie mit den auswärtigen Gesangvereinen stand der Verein mit dem Klub "Union" in Worpswede im besten Einvernehmen und hielt mehrmals mit diesem gemeinschaftlich einen Ball ab.
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Am 12. Dezember 1878 trat der Verein...........

......in den niedersächsischen bzw. deutschen Sängerbund ein. Es wurde das Liederbuch des deutschen Sängerbundes bezogen.

Als der bisherige Dirigent, Herr Stolte, häufig durch Krankheit an der Ausübung seines Dirigentenpostens verhindert war, wurde am 10. Januar 1887 der Organist Riggers als neuer Dirigent gewählt, der anfänglich die Wahl ablehnte. Da er jedoch in der Generalversammlung am 22. Januar 1887 nochmals einstimmig wiedergewählt, nahm er zwar die Wahl an, legte jedoch (4) schon am 1. März desselben Jahres wegen spärlichen Erscheinens der Mitglieder die Direktion nieder.
Der verdienteste und hauptsächlichste Gründer und langjähriger Dirigent Herr Stolte erlag am 26. Juni 1887 in einem Alter von 62 Jahren seinen längeren, schweren Leiden. Es wurde im Trauerhause am Sarge des Entschlafenen das Lied "Grabesruhe" (da unten ist Friede) gesungen, wozu Herr Organist Riggers die Direktion übernahm.
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Am 3. Juni 1888 feierte der........

......Trupe-Lilienthaler Männergesangverein das Fest seines 50-jährigen Bestehens. Da unser Verein eines Dirigenten entbehrte, konnte er ein Sololied nicht vortragen, doch wohnte einige Mitglieder unter Mitführung der Vereinsfahne dem Feste bei.

Von der Niederlegung der Direktion seitens des Herrn Riggers an folgt bis zum Jahre 1894 wegen Mangels eines Dirigenten eine Ruhezeit des Vereins. Trotz angestrengter Bemühungen war ein Dirigent nicht zu erhalten. Einige Mitglieder gehörten dem gemischten Chore an. Diese fühlten die eingetretene Passivität vielleicht weniger, manche der übrigen Mitglieder gedachten beim Zusammentreffen mit Sangesbrüdern nur mit Wehmut der vorangegangenen ruhmvollen Zeiten der ersten Vereinsjahre.
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Im Jahre 1890 oder so um diese Zeit herum......

......wurde im benachbarten Wörpedahl ein Männergesangverein gegründet, dem verschiedene Mitglieder unseres Vereins beitraten. Da dieser neue Verein seinen alljährlichen Ball in den früher von unserem Verein benutzten Räumen abhielt, war dies für unsere, dem neuen Verein nicht angehörende Mitglieder recht schmerzlich, den alten, in nah und fern bekannten, in bestem Einvernehmen mit den Nachbarsvereinen gestandenen Männergesangverein "Concordia" zur Untätigkeit verurteilt und einen jungen eines kleinen Nachbarortes in den vom alten Verein lange Jahre benutzten Räumen seine Bälle abhalten zu sehen.

(5) Es war daher nicht zu verwundern, daß einige unserer Mitglieder in Gemeinschaft mit anderen jungen Leuten aus Worpswede einen neuen Verein unter Direktion des Sohnes von ihrem ersten Dirigenten, Herrn Stolte, gründeten. Dieser entfaltete eine rege Tätigkeit und stand mit den nicht zu diesem Verein gehörenden Mitgliedern des älteren Vereins im besten Einvernehmen. Letztere besuchten auch die Veranstaltungen dieses neuen Vereins.

Bei diesen Zusammenkünften wurde der Wunsch rege, der neue Verein möge sich mit dem Männergesangverein "Concordia" verschmelzen. Auf dem am 6. Dezember 1893 gefeierten Stiftungsfeste des neuen Vereins wurde die Angelegenheit wieder in Erinnerung gezogen. Schließlich wurde von beiden Vereinen zum 19. Mai 1894 eine Generalversammlung anberaumt und in dieser einstimmig beschlossen, die Mitglieder des neuen Vereins in den alten Verein aufzunehmen. Herr Lehrer Blumenberg übernahm das Amt eines Dirigenten.
Nach Fortzuges der Familie Ebeling (Inhaberin des bisherigen Vereinslokals) wurde das Vereinslokal nach der Welzel"schen Gastwirtschaft verlegt.
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Am 16. November 1895 legte........

......Herr Blumenberg die Direktion nieder und mussten bis auf Weiteres die Gesangsstunden ausgesetzt werden.

Zu der am 22. März 1897 stattgefundenen Feier des 100sten Geburtstages Kaiser Wilhelms des Großen hatte sich Herr W. Stolte bereit erklärt, falls ein paar Lieder gesungen werden sollten, die Direktion zu übernehmen. Hiervon wurde jedoch Abstand genommen, indes beteiligte sich der Verein als solcher unter Mitführung der Fahne an der Feier.
Sodann folgte eine nochmalige Ruhepause des Vereins bis zum Beginn des Jahres 1904.

Im Herbst 1903 war Herr Lehrer Alpers an die Volksschule zu Worpswede versetzt und dieser erklärte sich auf Befragen bereit, in den Verein einzutreten und was die Hauptsache war, die Direktion zu übernehmen. In der am 23. Januar 1904 abgehaltenen (6) Generalversammlung wurde beschlossen, bis auf Weiteres an jedem Mittwochabend von 8 bis 10 Uhr Übungsstunden abzuhalten.
Herr Lehrer Alpers wurde einstimmig zum Dirigenten gewählt und durch dessen rastlose Tätigkeit es ermöglicht, dass trotz der vorhergegangenen langen Ruhepause durch fleißiges Üben der Verein sich an der am 3. Juli 1904 stattgefundenen Fahnenweihe des Männergesangvereins Grasberg beteiligen konnte. Im Holsten"schen Garten wurde von unserem Verein als Sololied gesungen: "Schlummre sanft in heilger Stille". Von auswärtigen Dirigenten wurde unserem Vortrage große Anerkennung gezollt. Ein auf diesem Feste vom Dirigenten des Torfmoorer Vereins, Herrn Lehrer Rohdenburg geäußerter Wunsch betreffend die Gründung eines, die anwesenden Gesangvereine umfassenden Sängerbundes, anfänglich mit großem Interesse aufgenommen, ist leider nicht verwirklicht worden.

Zum großen Bedauern des Vereins wurde der geschätzte Dirigent, Herr Lehrer Alpers am 1. April 1905 versetzt. Auf Vorschlag des Sangesbruders H. Abraham wurden in der Generalversammlung am 15. März 1905 die Herren Lehrer Alpers-Worpswede und Meyer-Otterstein als Ehrenmitglieder aufgenommen. In Anerkennung der von Lehrer Alpers als Dirigent dem Verein geleisteten Dienste fand am 29. März 1905 ein von Mitgliedern zahlreich besuchter Abschiedskommers statt, der in heiter, feuchtfröhlicher Stimmung und größter Fidulität verlief.
Auf allgemeinen Wunsch erklärte sich Herr Organist Riggers bereit, die Direktion wieder zu übernehmen.
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Am 4. Juni 1905 nahm der Verein........

......an der Feier des Borgfelder Männergesangvereins anlässlich seines 40jährigen Bestehens und Weihe einer neuen Fahne teil. Unser Verein sang: "Waffentanz und Iphigenie" als Sololied. Die Gastrede hielt Herr Pastor Weingart aus Borgfeld.

In der Generalversammlung vom 20. März 1907 wurde beschlossen, an dem am 29. Juni 1907 vom Männergesangverein "Germania" in Lehe aus Anlaß seines 25jährigen Bestehens (7) zu veranstaltenden Kommerse, dem am 30. Juni sich daran schließenden Sängerfeste wie auch an der am 1. Juli beabsichtigten Seefahrt nach Helgoland uns zu beteiligen. Es fand jedoch später insofern eine Änderung statt, daß von einer Teilnahme am Kommerse Abstand genommen wurde, da den meisten Mitgliedern ein dreitägige Abwesenheit in der arbeitsreichen Sommerzeit nicht möglich schien.

Am 30. Juni (Samstag), morgens 3 Uhr kamen unsere Sangesbrüder bei der Schule in Worpswede zusammen, marschierten nach J. Bungers Restaurant (Neu-Helgoland), wo sie vom Osterholzer Motorboot - Besitzer A. Pfaff - nach Osterholz gefahren wurden und dann per Bahn nach Geestemünde fuhren. Dort wurden die Vereinsmitglieder von dem ihnen als Führer zugewiesenen Leher Sangesbruder Alois Heine in freundschaftlichster, kameradschaftlicher Weise empfangen, in der Straßenbahn durch die Unterweserschwesterstädte zum Gastlokal in der Hafenstraße - Englischer Garten - geleitet und jedem Sänger ein für ihn bestelltes Freiquartier zugewiesen. Der Norddeutsche Lloyd in Bremen hatte sich erboten, jedem Festteilnehmer eine kostenfreie Besichtigung des großen Schnelldampfers "Kaiser Wilhelm II" nebst einem unentgeltlichen Frühstück an Bord zu gewähren. Die Vereine machten hierbei die Erfahrung, daß die Küche an Bord selbst dem verwöhntesten Gaumen gerecht zu werden verstehe.
Nach der Besichtigung und nachdem dem Frühstück in allermöglichster Weise Genüge geleistet, schlug der Dirigent des Bochumer Gesangvereins vor, dem Norddeutschen Lloyd in Bremen für sein so weit gehendes Entgegenkommen ein Danktelegramm zu übermitteln, dem allseitig zugestimmt wurde. Um aber auch der Schiffsmannschaft sich erkenntlich zu zeigen, schlug genannter Dirigent weiter vor, unter seiner Leitung Schäfers Sonntagslied "Das ist der Tag des Herrn" zu singen. Auch dem wurde entsprochen. Der Dirigent dirigierte auf der Schiffstreppe stehend, während die Vereine sich am Ufer aufstellten. Es war ein von 800 Sängern ausgeübter, weithinschallender , mächtiger Gesang, der dort ertönte.

(8) Zum Gastlokale zurückkehrend, wurde ein von der Matrosen-Artillerie-Kapelle Lehe zu Ehren der Festteilnehmer gegebenes Konzert angehört, dem der Vortrag eines Liedes seitens des festgebenden Vereins folgte.

Dann ein gemeinschaftliches Festessen im Saale des Englischen Gartens und hierauf in großartiger Festzug, an dem sich 28 Gesangvereine sowie 10 andere Vereine beteiligten unter Begleitung der Matrosen-Artillerie-Kapelle. Das Herabwerfen von Blumen und Kränzen aus niederen und höheren Etagen auf die Umzügler sowie das Bestreben der jüngeren Teilnehmer, diese von schönen, heiteren Mädchen gespendeten Zeichen der Verehrung zu erhaschen und stolz durch die festlich geschmückten Straßen zu tragen, musste selbst die älteren Festteilnehmer wohltuend berühren und sie an die eigene entschwundene Jugendzeit erinnern.
Nach Beendigung des Festzuges hatte jeder Verein 2 Sololieder vorzutragen. Unser Verein sang das altdeutsche Grablied: "Ehrenvoll ist er gefallen" und Abschied vom Walde: "O Täler weit o Höhen" und haben unseres Erachtens unserer Aufgabe völlig genügt.
Hierauf nahm der Festball seinen Anfang, auf dem unsere jüngeren Mitglieder mit allen Kräften ihrer Pflicht dem schönen Geschlecht gegenüber gerecht zu werden suchten.

Am folgenden Morgen um 8 Uhr fuhren die Sangesbrüder, denen sich etwa 400 davon angeschlossen - Ballbekanntschaften -, an Bord der beiden Dampfer "Glückauf" und "Vorwärts", je unter Begleitung einer Musikkapelle mit dem Liede: "Muß ich denn" vom Kaiserhafen nach Helgoland ab. Wir fuhren mit dem Dampfer "Glückauf". Auf Deck wurde Karten gespielt und das Tanzbein geschwungen. Obgleich nur leichte nordwestliche Luftströmung sich bemerkbar machte, mußte doch mancher Teilnehmer und manche Teilnehmerin dem stets launigen und unberechenbaren Neptun ganz plötzlich seinen Tribut entrichten, was eben nicht schön war.
(9) Ein Jubel ertönte auf dem Schiffe, als endlich das aus den Fluten der Nordsee steil aufsteigende Felseneiland Helgoland in Sicht kam. Wir langten um 12 Uhr mittags an und wurden sofort ausgebootet. Bis 2 Uhr war verabredet, die Sehenswürdigkeiten der Insel zu besichtigen, dann wollten wir in einem bestimmten Hotel wieder zusammentreffen.
Um 4 Uhr nachmittags fuhren wir wieder ab und langten um 8 Uhr wieder im Kaiserhafen an, kamen unter Benutzung von Straßenbahn, Eisenbahn und Motorboot nachts um 12 1/2 Uhr wieder in Worpswede an.

Am 13. Juni 1909 beteiligte sich der Verein an der 50jährigen Jubelfeier des Männergesangvereins Falkenberg, am 29. Mai 1910 am Sängerfest des Männergesangvereins Seehausen, am 27. August 1911 an dem gleichen Fest in Lüninghausen, am 15. Mai 1912 Sängerfest in Gnarrenburg und am 2. Juni desselben Jahres am Sängerfest in Torfmoor.
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Worpsweder Zeitung - 25. Okt. 1910 - Seite 1

Worpsweder Zeitung - 25. Okt. 1910 - Anzeigenteil

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50 Jahre MGV

Am 18. Mai 1913 - mit Rücksicht auf den Geburtstag des ersten Dirigenten Herrn Stolte - feierte der Verein in glänzender Weise das Fest seines 50jährigen Bestehens. An dieser Feier beteiligten sich 29 Vereine mit 20 Fahnen. Auf dem Festplatze war ein großes Tanzzelt erbaut, durch zahlreiche Buden mancherlei Art wurde ein marktähnlicher Verkehr veranlaßt. Eine Festzeitung, redigiert von Dirigent Riggers und gedruckt von W. Dommreis wurde pro Exemplar für 10 Pfennig feilgeboten und fand reißenden Absatz. Als Chorlieder kamen in Betracht: "Brüder, reicht die Hand zum Bunde" und "Auf ihr Brüder, laßt uns wollen". Unter den Klängen von 2 Musikkapellen bewegte sich ein imposanter Festzug durch die Ortsstraßen, eröffnet durch 2 kostümierte Vorreiter auf 2 schönen, gleichen Fuchspferden, einem Festwagen mit den Ehrenjungfrauen und 2 Wagen mit einigen der ältesten Vereinsmitglieder. Von den Gründern des Vereins war niemand mehr am Leben, sie alle deckte schon seit kürzeren oder längeren Jahren der grüne Rasen.

Nach Beendigung des Festzuges, der auf dem Findorffberge (10) seinen Abschluß fand, sang der festgebende Verein: "Wem Gott will rechte Gunst erweisen". Herr Dirigent Riggers hielt eine inhaltsreiche Festrede und seine Tochter, Fräulein Elfriede Riggers sprach einen, von den Festteilnehmern sehr beifällig aufgenommenen Festprolog. Sodann wurden die beiden Chorlieder gesungen und die Ehrenjungfrauen händigten mit kurzen Ansprachen die Fahnennägel und Festschleifen an den Verein aus. Zum Festlokale zurückmarschierend wurden im Welzel"schen Saale wie auch in dem aufgebauten Tanzzelte von den einzelnen Vereinen Sololieder vorgetragen, worauf der bis in die Morgenstunden sich ausdehnende Festball die Teilnehmer in heiterster Stimmung und größter Gemütlichkeit zusammenhielt.
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Am 1. Juni desselben Jahres 1913........

beteiligte sich der Verein am Sängerfest in Lilienthal und am 31. Mai 1914 am Sängerball in Pennigbüttel.
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Der Chor 1913

Der Chor 1913

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Als nach Ausbruch des Weltkrieges........

......durch Einberufung vieler Familienväter manche Familie finanziell schmerzlich getroffen war, bildete sich in Worpswede im August 1914 für den Isten Pfarrbezirk des Kirchspiels ein Hilfskomitee, dem von den beteiligten politischen Gemeinden sowie von den in diesen befindlichen Vereinen freiwillige Beiträge zugeführt wurden. Auch der Männergesangverein "Concordia" leistete ab August 1914 bis dahin 1915 einen Monatsbeitrag von 15 M, also zusammen 180 M, wodurch der vom Sängerfest herrührende Kassenbestand erheblich zurückging.
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In der am 11. November 1914........

......abgehaltenen Generalversammlung wurde von einer Wiederaufnahme der Übungen Abstand genommen bis auf Weiteres, da wegen Einberufung vieler Mitglieder der Verein vorläufig nicht leistungsfähig schien. Zu Weihnachten 1914 und 1915 wurden den im Felde stehenden Mitgliedern vereinsseitig kleine Zigarrenpakete mit einer schriftlichen Widmung übermittelt.

Nach Beendigung des Krieges fand auf Antrag mehrerer Vereinsmitglieder am 8. Februar 1919 eine Generalversammlung (11) statt, in der die Wiederaufnahme der regelmäßigen Übungen beschlossen wurde. Herr Dirigent Riggers gedachte des als Kriegsteilnehmer gefallenen Vereinsmitgliedes Ernst Berthold und ersuchte die anwesenden Mitglieder, Ihre Teilnahme durch Erheben von den Sitzen zu bezeugen, was auch geschah.
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Am 1. Oktober 1921 schied Herr Riggers......

......aus seinem Berufe als Organist und Hauptlehrer infolge seines Alters. Gleichzeitig legte er auch die Direktion des Gesangvereins nieder. Sein Nachfolger im Dienst, Herr Viebrock übernahm auch die Direktion des Vereins. In Anerkennung seiner in uneigennütziger Weise dem Verein geleisteten Dienste wurde Herr Riggers zum Ehrendirigenten des Vereins ernannt und ihm vom Vorstande ein diesbezügliches, kunstreiches Gedenkblatt sowie Band II und III des Liederbuches Polihymnia überreicht.
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1921 - Originaltext

Chor 1921

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Die älteren passiven Mitglieder........

......des Vereins, Herr D. Reiners, F. Netzel sen. W. Stolte und H. W. Schwenke, welche lange Jahre dem Verein aktiv angehört, wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Am 30. November 1921 wurden die Statuten des Vereins revidiert und verändert.
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Am 11. Juni 1922 beteiligte sich........

......der Verein an dem Feste des 60jährigen Bestehens des Männergesangvereins Torfmoor. In Anbetracht der ernsten schweren Zeit des Vaterlandes nahm unser Verein von einer größeren Festlichkeit bezüglich seines 60jährigen Bestehens im Jahre 1923 Abstand. Er hielt jedoch am 17. Januar 1923 aus diesem Anlaß einen Sängerball ab, auf dem Herr Dirigent Viebrock in einer schwungvollen Ansprache den Ballteilnehmern hiervon Kenntnis gab.

Im Jahre 1923 beteiligte sich der Verein an den beiden Sängerfesten der Gesangvereine Westerwede und Otterstein.
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Hiermit schließt der Unterzeichnete........

......vorstehende (12), auf Wunsch des Vorstandes niedergeschriebene Chronik mit dem innigsten Wunsche, der Verein möge fernerhin wachsen, blühen und bestrebt sein, seinen kerndeutschen Charakter in jeder Weise nach Kräften gerecht zu werden und für spätere Zeiten unseren Nachfolgern nicht nur diese Chronik aufbewahren, sondern solche im Laufe der Zeit auch weiterführen, damit die Ehre und der Ruhm des Vereins nie erlöschen möge.

Weyerdeelen, den 25. Februar 1924

O. D. Schröder

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