1949

1949

Am 30. Oktober 1949 nahm der MGV "Concordia" Worpswede nach mehrjährigem Ruhen bedingt durch den Krieg, durch den Kriegsausgang und durch die von der Militärregierung erlassenen Anordnungen, die das Vereinsleben und in besonderer Beziehung den privaten Verkehr hemmten, seine allwöchentlichen Singabende wieder auf und setzte damit seine kulturelle Arbeit für das deutsche Lied, die Pflege des deutschen Liedgutes und der Volkslieder und die Förderung des Männerchorgesanges in alter Tradition fort.

Der damalige Vorsitzende Sangesbruder Hans Späth, berief zu diesem Tage eine Versammlung der aktiven Sänger in das "Deutsche Haus" ein. 13 Sänger und als Gast der Vorsitzende des Wörpe-Wümme-Sängerbundes, Sangesbruder Fritz Rohdenburg - Borgfeld, waren dieser Einladung gefolgt.

Der erste Punkt der Tagesordnung, der an die Mitglieder des "Concordia" die Frage richtete:
" Soll der Verein seine Tätigkeit wieder aufnehmen?" wurde von allen Anwesenden mit einem freudigen "Ja" beantwortet. Als Singabend wurde der Montagabend festgesetzt. Nach den bisher festgestellten Wahrnehmungen ist dieser Tag günstig gewählt, denn der Besuch der Singabende ist als sehr gut zu bezeichnen. In die Zeit vom 7. November bis 19. Dezember 1949 fielen 7 Singabende. Von 34 Sängern waren an 7 Singabenden 21 Sänger anwesend. ... Über die Schwierigkeiten, die durch den Verlust des Notenmaterials in den Kriegsjahren entstanden waren, wurde dann gesprochen. Sangesbruder Rohdenburg gab hier gute Fingerzeige und anwesende Sangesbrüder erboten sich, dem Verein bei der Beschaffung von Notenmaterial mit Rat und Tat zu unterstützen. Weiter wurde beschlossen, an jedem Singabend eine Groschensammlung durchzuführen, deren Ertrag in erster Linie für die Beschaffung von Noten verwandt wird. Über das Ergebnis der Sammlung berichtet der Kassenführer in einem Kassenbericht. Bis zu Jahresende konnten 7 Chöre neu beschafft und 2 Chöre im Abzugsverfahren vom Sangesbruder Wilhelm Schake hergestellt werden; sodass der Verein zur Zeit über 9 singbereite Chöre verfügt.
Eine besondere Sorge machte der Versammlung die Werbung neuer Mitglieder, und hier ganz besonders die Werbung bei den jüngeren Leuten zur Heranbildung eines guten Nachwuchses. Als beste Werbung wurde die persönliche Ansprechung im Freundes- und Bekanntenkreis angesehen. Wert wurde auf die Werbung im Kreise der Vertriebenen gelegt. Aber auch eine öffentliche Werbung in der "Wümme-Zeitung" würde - nach Ansicht der Versammlung - ihren Zweck nicht verfehlen. Sangesbruder Dommreis wurde mit der Lösung dieser Aufgabe betraut.

Der erste Singabend am 7. November 1949 bewies den Erfolg dieser Werbung - es waren 20 Sänger erschienen. Erfreulicherweise hatten Jugend und Ostvertriebene sich dem Appell des "Concordia" nicht verschlossen. Die Zahl der Sänger vermehrte sich an jedem Singabend, sodass am Jahresende 1949 35 aktive Sänger in der Anwesenheitsliste geführt werden konnten. Von den früheren aktiven Mitgliedern hatten sich 18 eingefunden; neu aufgenommen wurden 17 Sänger - davon 9 Ostvertriebene.

Der Besuch der Singabende ist - wie oben schon kurz erwähnt - sehr gut. Zur Freude des Vorstandes wie auch des Dirigenten kann festgestellt werden, dass von 36 Sängern 26 noch an keinem Singabend fehlten. Beachtlich ist auch die Liste der Sänger mit langer Mitgliedszeit.

Der Jahresbeitrag wurde auf 6 Mark festgesetzt. Über den Beitragseingang und dessen Verwendung berichtet der Kassenführer.
Der am 30. Oktober 1949 gewählte geschäftsführende Vorstand setzt sich zusammen aus:

1. Vorsitzenden - Karl Bürckel
2. Vorsitzenden - Georg Myer
Schriftführer - Hugo Dommreis
Kassenführer - Willhelm Schnarhelt
Bücherwart - Heinrich Bergen
Fahnenträger - Friedrich Stelljes

In Anerkennung seiner Verdienste um den Männergesangverein "Concordia" Worpswede und um den deutschen Chorgesang wurde Sangesbruder Späth sen. zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
In diesem Zusammenhang muss festgestellt werden, dass alle Vorstandsmitglieder die Besetzung der Vorstandsposten bis zur nächstfolgenden Jahreshauptversammlung annehmen.

Als letzter Punkt der Tagesordnung kam die Wahl des Dirigenten zur Sprache. Die Aussprache über diesen Punkt ergab eine überzeugende Mehrheit für die Wiederwahl des bisherigen Dirigenten Rektor Höper. Zur Klarstellung, ob Herr Höper die Wahl annimmt, wurden der 1. und 2. Vorsitzende von der Versammlung beauftragt, sofort Verhandlungen mit Herrn Höper aufzunehmen. Das Ergebnis dieser Verhandlungen war äußerst überraschend - die Unterhändler brachten nicht nur die Zustimmung von Herrn Höper, sondern auch den Dirigenten selbst in die Versammlung. Freudig von den Anwesenden begrüßt, erklärte er dann, dass er nach reiflicher Überlegung die Wahl zum Dirigenten annehme.
Diese Entscheidung des Herrn Höper ist nach Abhaltung einiger Singabende als für beide Seiten günstig anzusprechen. Die alten Sänger kennen ihren Dirigenten und seine Führung - der Dirigent wiederum weiß, was er von seinen alten Sängern erwarten kann und wie er sie stimmlich zu leiten hat. Die neuen Sänger aber werden von den alten Sängern geführt; der Dirigent beachtet hierbei die Verschmelzung des Chores zu einer Einheit.
In einer kurzen Besprechung am 5. Dezember 1949 wurde beschlossen, den Singabend vor dem Weihnachtsfest zu einer Weihnachtsfeier in alterhergebrachter Weise mit Christbaum, Weihnachtsmann und einem kleinen Essen (Sauerkraut und Würstchen) in geschlossenem Kreise zu begehen. Der Abend wurde in dem vorgesehenen Rahmen durchgeführt. Es lieferten die Sangesbrüder ein oder mehrere kleine Geschenkpäckchen zur Verlosung beim Weihnachtsmann, Sangesbruder Stolte, ab, der dann am Singabend in vollem Ornat mit Schneeorden und Knecht Ruprecht eintraf und dann die Verteilung der Päckchen vornahm. Überzählige Päckchen wurden nach amerikanischer Art versteigert und aus dem Erlös Kosten, die mit dieser Feier verbunden waren, bestritten.
Kameradschaft und Geselligkeit standen an diesem Abend an erster Stelle, und alle Teilnehmer waren erfreut über die ihnen zuteil gewordene Aufmerksamkeit und über die tatbewiesene Kameradschaft. Zur besonderen Ausgestaltung des Abends wurden die Herren Licht und Ahlgrimm als Gäste geladen. Im letzten Augenblick musste Licht wegen dienstlicher Inanspruchnahme seine Dabeisein bei der Weihnachtsfeier widerrufen, dafür stellte sich der Sohn des Dirigenten, Herr Höfer jr., als Ersatz ein, und so nahm die Veranstaltung einen ungestörten Verlauf.
Abschließend ist hier die Feststellung zu machen, dass der Männergesangverein "Concordia" Worpswede mit dem 30. Oktober 1849 in Erfüllung der sich selbst gestellten Aufgabe, die Pflege des Männerchorgesanges zu fördern, das deutsche Volkslied im Chorgesang in seine Obhut zu nehmen und in die spätere Zeit weiterzuleiten, wieder aufgenommen hat. Das Interesse der aktiven Sänger und die Freude am deutschen Lied wie auch die unter den Sängern lebende Harmonie und Kameradschaft sind die Garanten für den Lebenswillen des Männergesangverein "Concordia" Worpswede.
"Concordia" hat ein Recht zu singen": "Das Schicksal geht oft auf und nieder, auf Sturm und Regen folgt oft Sonnenschein." In der Vereinsgeschickte sind Zeiten glanzvollen Vorwärtsstrebens aber auch Jahre der Mutlosigkeit und des Sich-Verlierens der Mitglieder zu erkennen. Eine Zeit dieser Mutlosigkeit liegt soeben hinter uns. Vor uns aber steht in großen Lettern der Sängerspruch "Hoch das Lied, das uns verband".

Gehen wir also den beschrittenen Weg unbeirrt weiter - unseren Vorfahren zur Ehre, uns zur Freude, unseren Nachfahren zum Ansporn.

Dommreis (Schriftführer)


Originaltext letzter Absatz